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HNA, 9.11.2011
Kasseler Musiktage: Daniela Hlinková, Max Westermann und das Spohr Kammerorchester Auf Glanz folgte Finsternis
KASSEL. Ein kräftiges Ausrufezeichen setzte das heimische Spohr Kammerorchester bei den Kasseler Musiktagen. Ohne falschen Lokalpatriotismus lässt sich festhalten, dass ein sehr hohes Niveau geboten wurde. So war es ein großer Abend, den 220 Gäste in der Kirchditmolder Kirche mit gebührender Begeisterung aufnahmen.
Wie ein Ausblick auf Weihnachten schien eingangs das barocke Trompetenkonzert von Telemann. Der Solist Max Westermann aus dem Staatsorchester verstand sich auf sangliche wie agile Trompetentöne. Doch nach dem hellen Glanz wurde es finster, und zwar so richtig.
Es gab die Kammersinfonie op. 110 a, Rudolf Barschais Bearbeitung des Streichquartetts Nr. 8 c-Moll von Dmitri Schostakowitsch. Dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Faschismus hat der russische Komponist das 1960 entstandene Werk gewidmet. Zugleich ist es eine persönliche Bekenntnismusik von schmerzlichster Intensität.
Mit einer unglaublich depressiven Stimmung und furiosen Ausbrüchen wurden die Zuhörer konfrontiert. Die Streicher musizierten packend, ausgefeilt, in Bestform. Ausdrucksvolle Soli kamen von Geigerin Katalin Hercegh und Cellist Wolfram Geiss. Daniel Geiss zeigte wie auch bei den weiteren Programmpunkten seine Klasse als Dirigent.
Die zweite Hälfte begann mit Schostakowitschs parodistischem Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester aus dem Jahr 1933. Max Westermann setzte freche Signale, spielte einfühlsam die gedämpfte Melodie im Lento. Ein starkes Debüt als Artist-in-residence bei den Kasseler Musiktagen gab die ausgezeichnete Pianistin Daniela Hlinková. Nicht nur mit wirbelnden Passagen machte sie Eindruck. Charakteristisch war auch, wie sie karg notierte Tonfolgen mit feinen klanglichen und rhythmischen Abstufungen zum Leben erweckte.
Am Konzertende stand das trotz des Titels komplexe „Divertimento“ (1939) von Béla Bartók. Kompliment an das Spohr Kammerorchester Kassel für sein tolles Spiel - und für seinen Einsatz für die Klassiker des 20. Jahrhunderts.
Von Georg Pepl
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HNA, 30.05.11,
Das „Spohr Kammerorchester Kassel“ gastierte in voll besetzter Lukaskirche Klassik ohne Dirigent
Reinhardshausen Mit „Barock im Mai“ war ein Konzertabend in der voll besetzten Reinhardshäuser Lukaskirche überschrieben – das „Spohr Kammerorchester Kassel“ spielte klassische Werke, musikalische Perlen des Barock und gefiel den Zuhörern mit seinem prächtigen barocken Streicherklang.
Schon gleich zu Beginn des Konzertes erfüllte die Aufführung von Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgischen Konzert die hohen Erwartungen der Zuhörer an das Orchester.
Exakte Einsätze
Die Kasseler Musikerinnen und Musiker gefielen mit präzis-exakten Einsätzen, vollendet harmonischem Orchesterklang, mit virtuoser Instrumentaltechnik und musikalischen Gespür für die barocke Literatur und deren Interpretationen.
Besonders gefallen hat auch die unbändige Spielfreude aller Mitwirkenden, die dem hervorragenden Eindruck, den das Orchester bot, das „i-Tüpfelchen“ aufsetzte.
Es gab keinen Dirigenten am Pult, die junge quirlige Konzertmeisterin hatte das große Ensemble stets sicher „im Griff“. Zum puren Wohlklang geriet den Streichern Georg Friedrich Händels Concerto grosso, op 6/12 – ein großes Hörvergnügen. Das Konzert bot auch Solisten des Kammerorchesters Gelegenheit, sich den Zuhörern vorzustellen. Rüdiger Spuck spielte das Konzert für Violine, a-moll von Johann Sebastian Bach souverän und mit klangfarbiger Lebendigkeit.
Wolfram Geiss und Leonard Disselhorst waren Solisten im Konzert für zwei Violoncelli, g-moll, von Antonio Vivaldi, dem einzigen seiner 28 Cello-Konzerte für zwei Celli.
Geiss und Disselhorst spielten technisch perfekt und widmeten sich gemeinsam und im Dialog intensiv der musikalischen Gestaltung vor allem im Largo führte das zu ergreifend-anrührender Musik.
Katalin Hercegh, Susanne Berendes, Helmut Simon und Rüdiger Spock waren die Solisten in Vivaldis Konzert für vier Violinen, op 3 und gingen das Werk mit fröhlicher Ausgelassenheit und spielerischer Heiterkeit an, ein klassisches Kabinettstück für virtuose Streicher. Einziger Bläser unter vielen Streichern war Max Westermann, der mit dem Konzert für Trompete von Georg Philipp Telemann für instrumentale Abwechslung sorgte und für sein glockenreinen Fanfarenklänge Sonderbeifall erhielt. Nach ihrem erfolgreichen ersten Bad Wildunger Gastspiel erhielten die Musiker Rosen vom Pfarrerehepaar Evelin und Albrecht Härlin und lautstarken Applaus von den Konzertbesuchern, die sich über eine Zugabe freuten.
Von Werner Senzel
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HNA, 22.05.11
Spohr Kammerorchester Kassel eröffnete den Spangenberger Musiksommer
So klingt ein heiterer Abend
Spangenberg. Das Spohr Kammerorchester Kassel eröffnete am Freitag den 6. Spangenberger Musiksommer. Unter dem Motto BaRock im Mai ließen sie in der Stadtkirche St. Johannis den Frühling hereinrauschen, dass so manchem Zuhörer eine Gänsehaut über den Rücken lief.
Verbreitete mit seiner Musik eine ausgelassene Stimmung: Das Spohr Kammerorchester beim Auftakt zum Spangenberger Musiksommer. Foto: Dürr
Dank der temperamentvollen Anleitung der 1. Geigerin Katalin Hercegh wurden die Allegri rasant gespielt, rhythmisch durchpulsierend wogten Melodien zwischen den Instrumentengruppen hin und her. Sprühend vor Musizierfreude spielten sich die Musiker gegenseitig die Melodien zu, um immer wieder aus kleinen Soli der Instrumentengruppen zu einem gemeinsamen Klang zu finden. Mit viel Schmelz setzten sich dagegen die langsamen Sätze ab, bis ins Äußerste gedehnt in den Tempi.
In dem schön abgestimmten Programm mit Johann Sebastian Bach (3. Brandenburgisches Konzert, Konzert für Violine a-Moll), Georg Friedrich Händel (Concerto grosso h-Moll) und Georg Telemanns Konzert für Trompete (strahlender Bläserklang durch Max Westermann) gab es zwei besondere Werke von Antonio Vivaldi zu hören: Das Konzert für zwei Violoncelli, in dem die beiden Solisten Wolfram Geiss und Leonard Disselhorst in einem ständigen Imitationsspiel einen rasanten Dialog führten. Ruhe kommt nur durch ein kurzes Largo als Mittelsatz in die Musik, der nur vom Basso Continuo begleitet wird. Das Konzert für vier Violinen beginnt im Gleichklang der vier Solisten Katalin Hercegh, Susanne Berendes, Helmut Simon und Rüdiger Spuck. Stehende Ovationen
Daraus entwickelt sich eine heitere, ausgelassene Musik, die in vielen Passagen an den Frühling aus den vier Jahreszeiten erinnert. Schon nach den ersten Konzertstücken war der Applaus begeistert lang, und er steigerte sich am Ende in stehende Ovationen.
Von Agnes Dürr
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HNA, 19.04.10
Barocke Sensationen
Kammerorchester feierte ein wildes Fest
Von Georg Pepl
Kassel. Der Frühling zog ins Land, nicht zaghaft, sondern vehement. Das Spohr Kammerorchester Kassel feierte in der voll besetzten Kirchditmolder Kirche Barockmusik als lebensvolles, oft geradezu wildes Fest.
Unter dem Motto "Barocker Frühling" glänzten bei Bachs 4. Brandenburgischem Konzert, Werken von Vivaldi und Telemann viele Solisten: Konzertmeisterin Katalin Hercegh, Susanne Jablonski, Rüdiger Spuck, Helmut Simon mit ihrem Violinspiel, Angela Hug, Joachim Arndt (Blockflöten), Irmgard Toepper-Dieckhues (Querflöte) und Wolfram Geiss (Violoncello). Außerdem gaben die jungen Geigerinnen Lena Weckesser und Josephine Nobach starke Talentproben. Zauberhaft der langsame Satz von Vivaldis Konzert für drei Violinen: Zu der Begleitung von Hercegh und Jablonski, letztere mit gezupften Violintönen, spielte Weckesser feinsinnig die gesangliche Melodie.
Eine akustische Sensation bot Telemanns Concerto, das stimmig zwischen Querflöte und Blockflöte ausbalanciert war - und im letzen Satz mit barocker "Weltmusik" überaschte. In diesem Presto-Finale ging die Post ab.
Österreichische Musikzeitschrift ÖMZ 10/09
Mahler in vielerlei Gestalt. Mahler Musikwochen, Toblach
(...) Nachdem Dirigent Paternostro die "Unspielbarkeit" der Streichorchester-Fassung von Op.95 apostrophiert hatte, konnte man sich abends davon überzeugen, dass die (meist jungen) Musiker des Spohr Kammerorchesters Kassel unter seiner Leitung diese Herausforderung sehr gut geschafft haben. Noch verblüffter als bei dieser, größeren Gegebenheiten angepassten Fassung, bei der "längst nicht mehr an die vier armseligen Männlein gedacht sei", war man bei der abschließenden Bach-Suite: eine von Mahler aus den Suiten BWV 1067 und 1068 kombinierte Satzfolge (...). Marion Diederichs-Lafite
Dolomiten, 16.07.09
Gustav Mahler als Bearbeiter
Toblach. Der österreichische Dirigent Roberto Paternostro ist seit Jahren ein geschätzter Gast bei den Gustav Mahler-Musikwochen. Diesmal dirigierte er das Spohr Kammerorchester Kassel. Cornelis van Zwol berichtet darüber: "Nachdem Paternostro bei den heurigen Gesprächen über "Mahler-Bearbeitungen aus der Sicht des Dirigenten" gesprochen hatte, bot er am Abend zwei klingende Bespiele mit Ochester. Das berühmteste Beispiel, Schuberts Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" (Deutsch 810) fehlte, dafür aber bekam das Publikum ein von Mahler bearbeitetes Quartett von Ludwig van Beethoven: das elfte Quartett Op.95, "Serioso" genannt. Die Dramatik dieser Musik wurde von den jungen Musikern mit viel Temperament unterstrichen. Dadurch wirkte der positive Abschluss des Finals fast wie eine Erleichterung. Mahlers Suite nach Johann Sebastian Bachs zweiter und dritter Orchestersuite (BWV 1067 und 1068) entstand 1909 in New York für Mahlers "Historische Konzerte". Die Suite bietet eine eigenwillige Neuordnung von insgesamt sechs Sätzen, worauf Anhänger der authentischen Musikpflege gerne verzichten. Gerade in Toblach ist diese Mahleradaption am rechten Platz, weil hier auch der eher unbekannte Mahler gerne vorgestellt wird. Paternostro ließ in die Interpretation auch neue Erkenntnisse der Aufführungspraxs einfließen. Als Abwechslung zwischen den Mahler-Bearbeitungen wurde Kreneks selten gespielte Syphoische Musik für neun Soloinstrumente vorgestellt. Musik aus dem Jahre 1922, ein unvorstellbar reiches Jahr, in dem der erst 22 Jahre alte Komponist seine zweite und dritte Symphonie, seine erste Oper und vieles mehr komponierte. Das fast halbstündige Werk im "komplexen kontrapunktischen Stil" (so Krenek in seiner Autobiographie) vergleichbar mit Hindemiths Kammermusiken aus der gleichen Periode, bekam von Paternostro und seinen Musikern eine engagierte Aufführung, die das Publikum völlig überzeugte." |