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HNA, 9.11.2011

Kasseler Musiktage: Daniela Hlinková, Max Westermann und das Spohr Kammerorchester

Auf Glanz folgte Finsternis

KASSEL. Ein kräftiges Ausrufezeichen setzte das heimische Spohr Kammerorchester bei den Kasseler Musiktagen. Ohne falschen Lokalpatriotismus lässt sich festhalten, dass ein sehr hohes Niveau geboten wurde. So war es ein großer Abend, den 220 Gäste in der Kirchditmolder Kirche mit gebührender Begeisterung aufnahmen.

Wie ein Ausblick auf Weihnachten schien eingangs das barocke Trompetenkonzert von Telemann. Der Solist Max Westermann aus dem Staatsorchester verstand sich auf sangliche wie agile Trompetentöne. Doch nach dem hellen Glanz wurde es finster, und zwar so richtig.

Es gab die Kammersinfonie op. 110 a, Rudolf Barschais Bearbeitung des Streichquartetts Nr. 8 c-Moll von Dmitri Schostakowitsch. Dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Faschismus hat der russische Komponist das 1960 entstandene Werk gewidmet. Zugleich ist es eine persönliche Bekenntnismusik von schmerzlichster Intensität.

Mit einer unglaublich depressiven Stimmung und furiosen Ausbrüchen wurden die Zuhörer konfrontiert. Die Streicher musizierten packend, ausgefeilt, in Bestform. Ausdrucksvolle Soli kamen von Geigerin Katalin Hercegh und Cellist Wolfram Geiss. Daniel Geiss zeigte wie auch bei den weiteren Programmpunkten seine Klasse als Dirigent.

Die zweite Hälfte begann mit Schostakowitschs parodistischem Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester aus dem Jahr 1933. Max Westermann setzte freche Signale, spielte einfühlsam die gedämpfte Melodie im Lento. Ein starkes Debüt als Artist-in-residence bei den Kasseler Musiktagen gab die ausgezeichnete Pianistin Daniela Hlinková. Nicht nur mit wirbelnden Passagen machte sie Eindruck. Charakteristisch war auch, wie sie karg notierte Tonfolgen mit feinen klanglichen und rhythmischen Abstufungen zum Leben erweckte.

Am Konzertende stand das trotz des Titels komplexe „Divertimento“ (1939) von Béla Bartók. Kompliment an das Spohr Kammerorchester Kassel für sein tolles Spiel - und für seinen Einsatz für die Klassiker des 20. Jahrhunderts.

Von Georg Pepl

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HNA, 30.05.11,

Das „Spohr Kammerorchester Kassel“ gastierte in voll besetzter Lukaskirche

Klassik ohne Dirigent

Reinhardshausen Mit „Barock im Mai“ war ein Konzertabend in der voll besetzten Reinhardshäuser Lukaskirche überschrieben – das „Spohr Kammerorchester Kassel“ spielte klassische Werke, musikalische Perlen des Barock und gefiel den Zuhörern mit seinem prächtigen barocken Streicherklang.

Schon gleich zu Beginn des Konzertes erfüllte die Aufführung von Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgischen Konzert die hohen Erwartungen der Zuhörer an das Orchester.
 
Exakte Einsätze

Die Kasseler Musikerinnen und Musiker gefielen mit präzis-exakten Einsätzen, vollendet harmonischem Orchesterklang, mit virtuoser Instrumentaltechnik und musikalischen Gespür für die barocke Literatur und deren Interpretationen.

Besonders gefallen hat auch die unbändige Spielfreude aller Mitwirkenden, die dem hervorragenden Eindruck, den das Orchester bot, das „i-Tüpfelchen“ aufsetzte.

Es gab keinen Dirigenten am Pult, die junge quirlige Konzertmeisterin hatte das große Ensemble stets sicher „im Griff“. Zum puren Wohlklang geriet den Streichern Georg Friedrich Händels Concerto grosso, op 6/12 – ein großes Hörvergnügen. Das Konzert bot auch Solisten des Kammerorchesters Gelegenheit, sich den Zuhörern vorzustellen. Rüdiger Spuck spielte das Konzert für Violine, a-moll von Johann Sebastian Bach souverän und mit klangfarbiger Lebendigkeit.

Wolfram Geiss und Leonard Disselhorst waren Solisten im Konzert für zwei Violoncelli, g-moll, von Antonio Vivaldi, dem einzigen seiner 28 Cello-Konzerte für zwei Celli.

Geiss und Disselhorst spielten technisch perfekt und widmeten sich gemeinsam und im Dialog intensiv der musikalischen Gestaltung vor allem im Largo führte das zu ergreifend-anrührender Musik.

Katalin Hercegh, Susanne Berendes, Helmut Simon und Rüdiger Spock waren die Solisten in Vivaldis Konzert für vier Violinen, op 3 und gingen das Werk mit fröhlicher Ausgelassenheit und spielerischer Heiterkeit an, ein klassisches Kabinettstück für virtuose Streicher. Einziger Bläser unter vielen Streichern war Max Westermann, der mit dem Konzert für Trompete von Georg Philipp Telemann für instrumentale Abwechslung sorgte und für sein glockenreinen Fanfarenklänge Sonderbeifall erhielt. Nach ihrem erfolgreichen ersten Bad Wildunger Gastspiel erhielten die Musiker Rosen vom Pfarrerehepaar Evelin und Albrecht Härlin und lautstarken Applaus von den Konzertbesuchern, die sich über eine Zugabe freuten.

Von Werner Senzel

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HNA, 22.05.11

Spohr Kammerorchester Kassel eröffnete den Spangenberger Musiksommer
So klingt ein heiterer Abend

Spangenberg. Das Spohr Kammerorchester Kassel eröffnete am Freitag den 6. Spangenberger Musiksommer. Unter dem Motto BaRock im Mai ließen sie in der Stadtkirche St. Johannis den Frühling hereinrauschen, dass so manchem Zuhörer eine Gänsehaut über den Rücken lief.

Verbreitete mit seiner Musik eine ausgelassene Stimmung: Das Spohr Kammerorchester beim Auftakt zum Spangenberger Musiksommer. Foto: Dürr

Dank der temperamentvollen Anleitung der 1. Geigerin Katalin Hercegh wurden die Allegri rasant gespielt, rhythmisch durchpulsierend wogten Melodien zwischen den Instrumentengruppen hin und her. Sprühend vor Musizierfreude spielten sich die Musiker gegenseitig die Melodien zu, um immer wieder aus kleinen Soli der Instrumentengruppen zu einem gemeinsamen Klang zu finden. Mit viel Schmelz setzten sich dagegen die langsamen Sätze ab, bis ins Äußerste gedehnt in den Tempi.

In dem schön abgestimmten Programm mit Johann Sebastian Bach (3. Brandenburgisches Konzert, Konzert für Violine a-Moll), Georg Friedrich Händel (Concerto grosso h-Moll) und Georg Telemanns Konzert für Trompete (strahlender Bläserklang durch Max Westermann) gab es zwei besondere Werke von Antonio Vivaldi zu hören: Das Konzert für zwei Violoncelli, in dem die beiden Solisten Wolfram Geiss und Leonard Disselhorst in einem ständigen Imitationsspiel einen rasanten Dialog führten. Ruhe kommt nur durch ein kurzes Largo als Mittelsatz in die Musik, der nur vom Basso Continuo begleitet wird. Das Konzert für vier Violinen beginnt im Gleichklang der vier Solisten Katalin Hercegh, Susanne Berendes, Helmut Simon und Rüdiger Spuck.

Stehende Ovationen

Daraus entwickelt sich eine heitere, ausgelassene Musik, die in vielen Passagen an den Frühling aus den vier Jahreszeiten erinnert. Schon nach den ersten Konzertstücken war der Applaus begeistert lang, und er steigerte sich am Ende in stehende Ovationen.

Von Agnes Dürr

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HNA, 19.04.10

Barocke Sensationen

Kammerorchester feierte ein wildes Fest

Von Georg Pepl

Kassel. Der Frühling zog ins Land, nicht zaghaft, sondern vehement. Das Spohr Kammerorchester Kassel feierte in der voll besetzten Kirchditmolder Kirche Barockmusik als lebensvolles, oft geradezu wildes Fest.

Unter dem Motto "Barocker Frühling" glänzten bei Bachs 4. Brandenburgischem Konzert, Werken von Vivaldi und Telemann viele Solisten: Konzertmeisterin Katalin Hercegh, Susanne Jablonski, Rüdiger Spuck, Helmut Simon mit ihrem Violinspiel, Angela Hug, Joachim Arndt (Blockflöten), Irmgard Toepper-Dieckhues (Querflöte) und Wolfram Geiss (Violoncello). Außerdem gaben die jungen Geigerinnen Lena Weckesser und Josephine Nobach starke Talentproben. Zauberhaft der langsame Satz von Vivaldis Konzert für drei Violinen: Zu der Begleitung von Hercegh und Jablonski, letztere mit gezupften Violintönen, spielte Weckesser feinsinnig die gesangliche Melodie.

Eine akustische Sensation bot Telemanns Concerto, das stimmig zwischen Querflöte und Blockflöte ausbalanciert war - und im letzen Satz mit barocker "Weltmusik" überaschte. In diesem Presto-Finale ging die Post ab.

 

 

Österreichische Musikzeitschrift ÖMZ 10/09

Mahler in vielerlei Gestalt. Mahler Musikwochen, Toblach

(...) Nachdem Dirigent Paternostro die "Unspielbarkeit" der Streichorchester-Fassung von Op.95 apostrophiert hatte, konnte man sich abends davon überzeugen, dass die (meist jungen) Musiker des Spohr Kammerorchesters Kassel unter seiner Leitung diese Herausforderung sehr gut geschafft haben. Noch verblüffter als bei dieser, größeren Gegebenheiten angepassten Fassung, bei der "längst nicht mehr an die vier armseligen Männlein gedacht sei", war man bei der abschließenden Bach-Suite: eine von Mahler aus den Suiten BWV 1067 und 1068 kombinierte Satzfolge (...). Marion Diederichs-Lafite

Dolomiten, 16.07.09

Gustav Mahler als Bearbeiter

Toblach. Der österreichische Dirigent Roberto Paternostro ist seit Jahren ein geschätzter Gast bei den Gustav Mahler-Musikwochen. Diesmal dirigierte er das Spohr Kammerorchester Kassel. Cornelis van Zwol berichtet darüber: "Nachdem Paternostro bei den heurigen Gesprächen über "Mahler-Bearbeitungen aus der Sicht des Dirigenten" gesprochen hatte, bot er am Abend zwei klingende Bespiele mit Ochester. Das berühmteste Beispiel, Schuberts Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" (Deutsch 810) fehlte, dafür aber bekam das Publikum ein von Mahler bearbeitetes Quartett von Ludwig van Beethoven: das elfte Quartett Op.95, "Serioso" genannt. Die Dramatik dieser Musik wurde von den jungen Musikern mit viel Temperament unterstrichen. Dadurch wirkte der positive Abschluss des Finals fast wie eine Erleichterung. Mahlers Suite nach Johann Sebastian Bachs zweiter und dritter Orchestersuite (BWV 1067 und 1068) entstand 1909 in New York für Mahlers "Historische Konzerte". Die Suite bietet eine eigenwillige Neuordnung von insgesamt sechs Sätzen, worauf Anhänger der authentischen Musikpflege gerne verzichten. Gerade in Toblach ist diese Mahleradaption am rechten Platz, weil hier auch der eher unbekannte Mahler gerne vorgestellt wird. Paternostro ließ in die Interpretation auch neue Erkenntnisse der Aufführungspraxs einfließen. Als Abwechslung zwischen den Mahler-Bearbeitungen wurde Kreneks selten gespielte Syphoische Musik für neun Soloinstrumente vorgestellt. Musik aus dem Jahre 1922, ein unvorstellbar reiches Jahr, in dem der erst 22 Jahre alte Komponist seine zweite und dritte Symphonie, seine erste Oper und vieles mehr komponierte. Das fast halbstündige Werk im "komplexen kontrapunktischen Stil" (so Krenek in seiner Autobiographie) vergleichbar mit Hindemiths Kammermusiken aus der gleichen Periode, bekam von Paternostro und seinen Musikern eine engagierte Aufführung, die das Publikum völlig überzeugte."

Klänge vor dem Schloss

Von DIRK VOLKMANN, 21.07.09, Kölnische Rundschau

Tschaikowski, Mendelssohn, Dvorák, dargeboten von meisterlichen Musikern des Kasseler Spohr-Kammerorchesters, vorgetragen vor der atemberaubenden Kulisse im Hof von Burg...
ODENTHAL. Tschaikowski, Mendelssohn, Dvorák, dargeboten von meisterlichen Musikern des Kasseler Spor-Kammerorchesters, vorgetragen vor der atemberaubenden Kulisse im Hof von Burg Strauweiler: Dass das Serenadenkonzert als Gipfel des „Altenberger Kultursommers“ seit Wochen ausverkauft war, überrascht da nicht.
Das aus 18 Musikern bestehende Spohr-Kammerorchester aus dem Nordhessischen präsentierte den 500 Besuchern vor der prächtigen Kulisse des Schlosses eine Auswahl von Serenaden und Sinfonien aus den Federn dieser bedeutenden Komponisten. In der Abenddämmerung umhüllten die Klangwellen den Schlosshof, beides ergänzte sich zu einem großen Gesamterlebnis.

Das Besondere an dem Orchester war die Tatsache, das es ganz ohne Dirigent arbeitete, was ein Höchstmaß an Konzentration und Erfahrung voraussetzt. Mit einer Zugabe bedankten sich die Musiker für den lang anhaltenden Applaus des begeisterten Publikums am Ende des etwa zweistündigen Konzerts.

 

Kostbarkeiten vom "Fiedler

Das Spohr-Kammerorchester und Katalin Hercegh spielten in der Martinskirche Spohr, Widmann und Dvorák

Von Werner Fritsch, hna, 26.05.09 

Kassel. Louis Spohrs (1784-1859) Ruhm als Geiger überstrahlte zunächst den des Komponisten. Es gab sogar Stimmen, die meinten, ein "Fiedler" könne unmöglich auch ein ernsthafter Komponist sein. In seinen Violinkonzerten verband Spohr dagegen beides: die Geste des Virtuosen und die solide kompositorische Handschrift.

Konzert in a-Moll, das Spohr 1816 als 32-Jähriger für eine Konzertreise nach Italien schrieb, ist - Konzession an den italienischen Geschmack - einer Gesangsszene nachempfunden. Seit einer Einspielung durch Hilary Hahn ist dieses originelle Konzert dabei, wieder populär zu werden. Dass es nun vom Kasseler Louis-Spohr-Kammerorchester im Jubiläumsjahr aufgeführt wurde, ist verdienstvoll. Und man darf ein wenig stolz sein, dass mit der Konzertmeisterin des Staatsorchesters, Katalin Hercegh, eine Kasseler Solistin sich diesem anspruchsvollen Werk vollauf gewachsen zeigte.

Ideal waren die akustischen Bedingungen in der halligen Martinskirche nicht - weder für die Musiker noch für die 250 Zuhörer. Die temperamentvollen Orchesterpassagen des Beginns verschwammen etwas, doch Katalin Hercegh zeigte sich in den rezitativischen Teilen als klar artikulierende, beredte Solistin. Das liedartige Thema des Mittelsatzes war fein gestaltet, die bis ins äußerste Pianissimo zurückgehende Begleitung nicht minder delikat. Den technisch vertrackten, mit Doppelgriffen gespickten Finalsatz spielte Hercegh mit packender Intensität.

Mit "Virtuosität und Klage" war das Martinskirchenkonzert überschrieben. Zehn solistische Streicher spielten unter der Leitung von Eckhard Manz Jörg Widmanns "Ikarische Klage" von 1999. Ein hoch expressives Stück, das von gegensätzlichen Klangsphären hoher, im Flageolett spielender Geigen und bohrender Bassklänge eröffnet wird. Die von einem Baudelaire-Gedicht gleichen Titels inspirierte Komposition entlädt ihre extreme Innenspannung in knallartigen Ereignissen, Tremoli, Repetitionen und Crescendi, ehe sich die erste Violine zu einem gedämpften Solo aufschwingt.

Eckhard Manz hat mit diessem spannenden Stück seine Auseinandersetzung mit Widmanns Musik fortgesetzt, die er im vergangenen Jahr mit dem Cellokonzert "Dunkle Saiten" begonnen hatte.

Als wenig glücklich erwies sich die Wahl des Schlussstücks. Nach den vorangegangenen subtilen Werken kam Dvoáks satte Streicherserenade E-Dur op. 22 recht plakativ und breit gepinselt daher. Übrigens handelt es sich um genau jene Art von Gefühlsromantik, die man seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegen Spohrs musikalischen Stil ins Feld führte.

Dem großen Beifall tat dies jedoch keinen Abbruch, und das Spohr-Kammerorchester bedankte sich mit Mendelssohns h-Moll-Streichersinfonie. Gühend und intensiv

Das Spohr Kammerorchester Kassel legt seine erste CD vor

Von Georg Pepl

Schon oft hat das Spohr Kammerorchester Kassel das heimische Publikum begeistert. Nun ist das von Katalin Hercegh, Wolfram Geiss und Joachim Schwarz gegründete Ensemble, in dem Mitglieder des Staatsorchesters und hochbegabte junge Instrumentalisten musizieren auch in den USA oder in Asien zu hören: Beim international vertriebenen Label Naxos hat es seine erste CD mit einer Gesamteinspielung von Mozarts Freimaurermusik vorgelegt. Roberto Paternostro, der frühere Kasseler GMD und jetzige Leiter des Israel Chamber Orchestra, dirigiert die Orchesterstücke wie die rätselhaft geniale "Maurerische Trauermusik" - hier ein feinnervig erregtes Klagebild: Stilsicher ohne plüschige Romantisierung und recht flott zeichnen es die Musiker. Düsternis herrscht auch in Adagio und Fuge KV 546, einem nahezu avantgardistisch kühnen Stück, das von den Streichern mehr glühend intensiv als blitzblank realisiert wird. Hauptsolist, mal vom Kammerorchester, mal vom eher träge spielenden Pianisten Alberto Bertino begleitet, ist der Staatstheater-Tenor Young-Hoon Heo. Dank seines lyrischen "Amoroso"-Timbres klingt er durchaus attraktiv, wenn auch die Artikulation eine Steigerung zulassen würde. Eine gute Figur machen die Herren des Kasseler Opernchors, solisitische Aufgaben übernehmen Jürgen Appel und Lars Rühl. Einen besonderen Höhepunkt an geschmeidigem Wohllaut markieren die Bläsermusiken mit Sabine Neher, Alfred Wurm, Margarete Fiedler (Bassetthörner), Tetsuo Hirosawa und Markus Euler (Klarinette) und Kumiko Maruyama (Fagott). CD-Wertung: 4 von 5 Sternen. 

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Saitenspiel mit Funkenschlag

Spohr-Kammerorchester Kassel mit Perlen der Streicher-Ensemblemusik in Jakobikirche

Von Siegfried Weyh

Rotenburg. Eine der erfreulichen Beobachtungen im Zeitalter kultureller Deformation: Klassische Musiker, gerade junge, begreifen globusweit, dass - olympisch gesagt - die Messlatte in ihrem Metier heute extrem hoch liegt. Leider nicht die Dichte eines anspruchsvollen Musikpublikums.

So wieder einmal bewiesen, als am Sonntagabend in der Altstädter Jakobikirche das vor zwei Jahren gegründete Spohr-Kammerorchester Kassel gastierte. Der Name der Violin-Maestros und Kasseler Hofkapellmeisters Louis Spohr (1784-1859) verpflichtet gerade im Zuge einer Spohr-Renaissance und im Vorfeld seines 150. Todesjahres.

Deshalb musste klar sein für die 18 Streichinstrumentalisten (6-4-4-3-1 in den Stimmgruppen von Violine I bis Bass), dass es mit einem Durchschnittsteam nicht getan ist. Recht so. Das Spohr-Kammerorchester stellte sich vor in hoher Spielkultur, erhabenem Klangprofil, sorgfältig ausgearbeiteter Werksicht und raffinierter Detailformung.

Effektvolle Perlenkette

Da schien es auch gerechtfertigt, lauter Edelsteine der Streicher-Ensemblemusik zu einer in ihren fünf Programmpunkten ebenso locker-beliebigen wie glanz- und effektvollen Perlenkette zusammenzufügen. Nämlich Mozarts entzückendes Salzburger Divertimento F-Dur KV 138, Max Bruchs auf hebräischen Melodien beruhende Violoncello-Pièce "Kol Nidrei" op. 47, Edvard Griegs barockisierende Suite "Aus Holbergs Zeit" op. 40 (Ludvik Holberg war ein nordischer Dichter des 18. Jahrhunderts), Georg Philipp Telemanns Violakonzert G-Dur von echt barocker Herrlichkeit und - als umwerfenden Rauswerfer - Béla Bartóks "Rumänische Tänze".

Starker Kontrast

Als Hauptreservoir des Ensembles dient das Kasseler Staatsorchester. Dort finden sich natürlich in erster Linie zwischen Beethoven und Mahler, Verdi und Wagner pendelnde Ausdrucksmusiker, die den breiten Strich, den satten Ton, die große Geste und den starken Kontrast bevorzugen.

Doch gewinnt all das so viel Drive, Dringlichkeit, Überzeugungskraft, dass einem der Atem wegbleiben kann. Wobei selbst ein Grieg über die Dehnbarkeitsgarantie seiner langsamen Sätze gestaunt hätte und ein Telemann über die Rasanz und Geschmeidigkeit seines Konzerts für die doch sonst eher unhandliche Bratsche.

Hang zum Expressiven

Joachim Schwarz war hier der elegant-kompetente Solist. Daniel Geiss hatte zuvor auf dem Violoncello sein Faible fürs Expressive gezeigt. Und Katalin Hercegh, die Konzertmeisterin und Vorgeigerin, war beides zugleich: die Funkenschlägerin wie die Seele des Zusammenspiels. Heftiger Applaus und einen zugelegten Happen Bartók.

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Himmel und Erde vereint Spohr-Ensemble spielte mit dem Solisten Jürgen Bonn Rheinbergers Orgelkonzert

Felsberg. Mit dem Spohr-Kammerorchester aus Kassel hatte die Nikolaikirche in Felsberg am Sonntagabend ein renommiertes Ensemble zu Gast.

Spielfreudig und durch und durch musikantisch erklangen unter der Leitung von Andreas Lehmann, der auch die 1. Violine spielte, neben der sprühend lebendig gestalteten Sinfonie in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart zwei selten aufgeführte Werke: das Konzert für drei Hörner und Violine von Georg Philipp Telemann und das Orgelkonzert in F-Dur von Josef Gabriel Rheinberger.

Orgel und Streicher

Freude hatten die Zuhörer beim Telemann-Konzert durch blitzsauber agierende Hörner und eine betörend gespielte Violine von Lehmann. In Rheinbergers Orgelkonzert ergänzen Streicher und Hörner in idealer Weise die Klangfarbe der Orgel. Das feine gemeinsame Musizieren zwischen dem Orchester und dem Organisten Jürgen Bonn brachte den Zuhörern ein ungewöhnliches Werk nahe. Mit einem stürmisch und gleichzeitig ergreifenden Maestoso zu Beginn, einem von chromatischen Tonfolgen bestimmten Andante und einem bewegten Finale wurden Himmel und Erde miteinander in Einklang gebracht.

Ergriffenes Publikum

Ein ergriffenes und andächtiges Publikum spendete dafür begeistert und stehend Applaus. Ein Konzert, das weit mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.

 

Bild: hna, Malmus

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Orgel brillant Musik zur 100-Jahr-Feier der Friedenskirche

Von Werner Fritsch (HNA, 20.5.2008)

Kassel. Mit frischer und erfrischender Konzertmusik eröffneten Kantor Juergen Bonn und das Spohr-Kammerorchester den musikalischen Reigen zur 100-Jahrfeier der Friedenskirche im Vorderen Westen.

Vom ersten Pult aus leitete Andreas Lehmann, Violinprofessor in Weimar, ein Konzert in der ungewöhnlichen Besetzung für drei Hörner und Streicher von Georg Philipp Telemann. Reizvoll Lehmanns solistische Dialoge mit dem Hornisten Adrian McLeish. Sie beflügelten das energisch-federnde, dynamisch klar gestufte Spiel. Man verzichtete aufs Cembalo und damit auf das typische Barock-Flair.

Nicht weniger temperamentvoll wurde Mozarts A-Dur-Sinfonie KV 201 angegangen, wobei die dynamischen Kontraste zu Beginn in den hohen Streichern deutlicher ausgeprägt waren als in der Bassgruppe. Höhepunkt hier war das wunderbar leicht und duftig servierte Andante.

Romantische Konzerte für Orgel und Orchester sind eine Seltenheit. Umso schöner, dass Juergen Bonn die farbenreiche Bosch-Orgel nutzte, um mit dem Spohr-Kammerorchester Josef Gabriel Rheinbergers F-Dur-Konzert op. 137 aufzuführen. Mit Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch als Dirigent wurde dieses zwischen klassizistischer Strenge und romantischem Überschwang oszillierende Stück temperamentvoll und klangintensiv dargeboten. Juergen Bonn interpretierte den Solopart eher zurückhaltend, öffnete aber in der brillanten Finalkadenz die Schleusen. Langer Beifall in der annähernd voll besetzten Kirche.

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FETZIGE WINTERMUSIK

Das Spohr Kammerorchester Kassel in der Friedenskirche

Kassel. Das kann man ein überwältigendes Publikumsinteresse nennen! Schon lange vor Beginn gab es nur noch Stehplätze in der rappelvoll besetzten Friedenskirche. Dabei stand seriöses auf dem Programm, keine Comedy, kein Pop. Doch E-Musik kann auch fetzig daherkommen, wenn sie so intensiv gespielt wird, wie von dem in mehrerer Hinsicht großartigen Spohr Kammerorchester Kassel.

Profis und begabte Nachwuchs-Instrumentalisten musizieren in dem Ensemble, das auf Initiative der Staatsorchestermusiker Katalin Hercegh und Wolfram Geiss gebildet wurde. Stilistisch strebt es eine hoch differenzierte, gestisch vielgestaltige Spielweise an. Bei Stücken von Corelli, Bach und Vivaldi ergab dies auch mal einen angeschärften Klang, in der Art von Barock-Ensembles. Wobei die Intensität noch dadurch gesteigert wurde, dass die Geiger und Bratscher im Stehen spielten. Eindrucksvoll, wie die Geigensolistin Katalin Hercegh bei Vivaldis Winter aus den Vier Jahreszeiten schnelle Figurationen mit dynamischen Schattierungen ausstattete und den langsamen Satz delikat auszierte. Nicht milder eloquent näherte sich das Orchester zwei kleinen Stücken von Jean Sibelius - mit verändertem, dem romantischen Stil angepassten Streicherklang. In der ersten Zugabe schnitt es dann noch mit dem fulminanten Presto aus dem F-Dur Divertimento KV 138 des Klassikers Mozart eine weitere Musikepoche an.

(Georg Pepl, hna, 19.12.2006)